Geld verbrennen leicht gemacht

Seit ca. einem Monat bin ich nun als Freelancer mal wieder bei einer großen Firma im Bereich Data Warehousing aktiv und stelle erneut fest: neues Projekt, dasselbe Dilemma. Es ist kaum zu verstehen, wie diese großen Läden überleben, bei dem Geld, das bei IT-Projekten verbrannt wird.

Es überrascht mich ja nicht mehr, wie ineffizient solche Projekte immer wieder ablaufen, aber dennoch ist es ein Stück weit erschreckend.

Beispiel meines aktuellen Projektes:

  • Erstellung Lastenheft – Jul. 2009 bis Nov. 2009
  • Erstellung Pflichtenheft – Nov. 2009 bis Apr. 2010
  • Implementierung – Apr. 2010 bis Jun. 2010
  • Test – Jun 2010 bis Aug. 2010
  • Inbetriebnahme Sep. 2010

Da gehen also ca. 15 Monate ins Land vom Projektbeginn bis Projektende. Beteiligt sind viele verschiedene Abteilungen aus verschiedenen Städten von unterschiedlichen Firmen, die in Indien entwickeln lassen. Folgende Abteilungen hätte ich im Angebot, die natürlich alle etwas unterschiedliche Interessen haben:

  • Fachbereich in Stadt A (erstellt das Lastenheft)
  • Projektleitung in Stadt A (steuert Fachbereich)
  • Abteilung mit IT-Architekten in Stadt B (hilft bei allem)
  • Projektleitung in Stadt B (vermittelt zwischen allen)
  • Abteilung mit IT-Architekten des IT-Dienstleisters Stadt B (erstellen Pflichtenheft)
  • Abteilung mit Entwicklern in Indien (Entwicklung)
  • Abteilung mit Testern in Stadt B
  • Abteilung, die die Softwaresysteme betreut in Stadt B

Und das alles habe ich nun etwas vereinfacht, weil es da noch Unterabteilungen gibt. Herzlichen Glückwunsch. Man kann sich vorstellen, dass einige Zeit ins Land geht, bis man die alle unter einen Hut bekommen hat. Zumal zwischendrin bei solchen Laufzeiten natürlich auch immer mal wieder Leute wechseln und die Nachfolger sich erstmal einarbeiten müssen.

Wenn das Ganze nun noch einen großen Umfang hätte und die Firma wirklich weiterbringen würde, wäre das ja noch legitim. Hier stellt sich das aber momentan für mich so dar:

  1. Im Fachbereich haben scheinbar die Positionen so oft gewechselt, dass dort keiner mehr so wirklich weiß, was überhaupt warum angefordert wurde.
  2. Der Umfang ist eigentlich so simpel, dass ich mir sicher bin, dass ein verwendbarer Prototyp in zwei Wochen erledigt wäre, wenn sich einer vom Fachbereich mit einem aus der Entwicklung zusammen an einen PC setzen und loslegen würden. Danach könnte man sich noch 1-2 Monate damit austoben das Ganze irgendwelchen Standards entsprechend anzupassen und gut ist. Aber so gehen Monate (oder Jahre) ins Land und am Ende kommt nur was raus, von dem keiner mehr weiß, wozu es überhaupt gut sein sollte.
Leave a comment

2 Comments.

  1. Beiß doch nicht die Hand, die dich füttert :razz:
    Was Du beschreibst, hört sich schmerzlich vertraut an. Nur leider sind diese kapitalistischen Konzerne ab einer gewissen Größe sozialistischer organisiert als es die DDR je war. Da gibt es dann die gute alte Planwirtschaft und Bürokratie bis zum Abwinken.
    Was ich bei Deinem Post vermisse sind die gute alte politischen Zwänge, weil der Direktor in Stadt C formell eigentlich die Hoheit über die IT-Systeme hat in denen A was haben will und für die Anforderung As eigentlich der prefered Supplier 34 genommen werden muss.

    Wen das alles bei großen Unternehmen stört muss in den Mittelstand gehen, doch dort liegt eben nicht das Geld auf der Straße das in den Öfen der Freelancer verbrannt wird :twisted:

  2. Ich gebe zu, ich habe das Ganze etwas vereinfacht dargestellt, sonst hätte ich ja ein ganzes Buch schreiben müssen ;) .
    Aber ich beiße niemanden. Ich stelle nur fest, schüttele den Kopf und sammel das Geld von der Straße auf :)

Leave a Reply


[ Ctrl + Enter ]