Tag 18 war mal wieder unspektakulär, wie meistens die Abreisetage. Man kennt den Ort schon, es gibt nichts mehr zu entdecken und man wartet auf den Bus. Zuhause würde man es langweilig nennen, hier nennt man es relaxen . Es würde nämlich nie jemand zugeben, dass ihm auch mal langweilig ist. Also relaxte ich so vor mich hin.
Der Tag begann mit einem “gesunden” amerikanischen Frühstück: Pancakes, Ahornsirup und 3 Scheiben dicker Speck. Lecker. Danach wurden die vorherigen Tage für den Blog aufbereitet. Den Rest des Tages gings dann immer zwischen Hostel (zum internetten, essen, trinken), Schwimmen und Strandfaulenzen hin und her. Abends noch ein leckeres Abendessen bei einem Schnellchinesen, bei dem nur Australier und Deutsche gearbeitet haben, und wieder in einen Greyhound. Wieder Nachtfahrt, diesmal “nur” 10 Stunden, weiter nach Cairns. Dort werde ich dann endgültig in den Tropen angekommen sein.
Heute stand, wie vom Belgier empfohlen, eine Ocean Rafting Tour auf dem Programm. Natürlich gings zu den Whitsundays. Das ist eine Inselgruppe bestehend aus 74 Inseln einige Kilometer vor der australischen Ostküste. Hierbei handelt es sich um ein sehr beliebtes Segelgebiet, und da die Inseln zum Great Barrier Reef gehören, gibt es natürlich auch super Gebiete zum Schnorcheln. Nur zum Schwimmen ist es hier nicht immer so geeignet, weil es gerade im flachen, warmen Wasser in Strandnähe Stachelrochen und Haie (wobei die hier wohl eher klein und ungefährlich sind) gibt. Glücklicherweise ist es hier jedoch noch Frühling und das Wasser ist grundsätzlich noch nicht so warm. Somit kann man noch problemlos am Riff schnorchnel. So in einem Monat sollte man nur noch mit Gummianzug ins Wasser gehen, denn dann kann man dort garstigen Quallen begegnen, die man in seinem Leben vermutlich nur einmal berührt.
Aber zurück zum Rafting: Wie gesagt, wird hier gerne gesegelt, also gibt es auch hauptsächlich Segeltouren zu den Inseln, die mehrere Tage + Übernachtungen auf dem Schiff dauern. Das hätte ich auch supergerne gemacht, aber ich habe dazu einfach nicht die Zeit. Da komm ich lieber nochmal mit Ronny her und segel selbst rum . Der einzige (bzw. auf jeden Fall die bekannteste) 1-Tagesausflug ist diese Ocean Rafting Tour. Dabei geht es mit Schnellbooten, die mal für die Wasserschutzpolizei gebaut wurden, mit 60 – 80 Stundenkilometern zu den Inseln. Da schafft man die Strecke halt auch an einem Tag .
Und so haben wir zunächst zwei verschiedene Schnorchelplätze angesteuert. Beim ersten Stop war das Wasser nur ca. 3m tief und man konnte wunderbar die Korallen in ihrer vollen Pracht bestaunen. Darüber gibt es nicht viel zu erzählen, das muss man einfach mal gesehen haben. Diese Farbpracht unter Wasser ist einfach toll. Leider gibt das auch die Kamera nicht so toll wider. Beim zweiten Stop lag das Hauptaugenmerk weniger auf den Korallen, sondern auf den Fischen. Wir haben quasi über einem riesigen Fischschwarm angehalten, bzw. diesen mit ein bisschen Futter angelockt. Und schon gings mit rein in das Fischrudel. Einfach genial wenn man sich mitten zwischen den Kollegen aufhält und alles um einen herumwuselt. Und etwas sehr erschreckend wird es, wenn plötzlich in affenartiger Geschwindigkeit ein Ungetüm angeschossen kommt, das schätzungsweise 1,5m lang ist und mein Gewicht hat. Aber die beißen nicht, die wollen nur spielen . Leider hab ich den größten Brummer nicht auf Kamera festhalten können, sondern nur seine kleinen Brüder. Ich hoffe man kann die Größenverhältnisse ungefähr abschätzen. Es war einfach gigantisch.
Nach 1,5 Stunden Schnorcheln war dann ein Landgang angesagt. An einem dicht bewaldeten Ufer gings los und nach einer kurzen Kletterpartie zu einem Aussichtspunkt hat sich vor uns der bekannte Strand von Whitehaven Beach erstreckt. Endlose, weiße Strände mit dem angeblich feinsten Sand der Welt (keine Ahnung wie viel Marketing in der Aussage enthalten ist, aber er ist sehr fein ), türkises Meer, kleine Inseln im Hintergrund. Ein Traum. Nach dieser grandiosen Aussicht, gings dann einen anderen weg wieder hinab. Nicht dorthin wo wir herkamen, sondern diesmal runter an den Strand. Das Boot hatte die Strecke schon auf dem Wasserweg zurückgelegt und der Skipper ein nettes kaltes Buffet vorbereitet. Also wurde erstmal am Strand reingehauen, wobei man sich heftig den gierigen Möwen erwehren musste, die schon recht dreist daherkommen.
Nach all den Highlights folgten dann noch zwei weitere, eher unerwartete. Und zwar nahm uns der Guide, der wohl schon als Kind auf diesen Inseln rumgehupst ist, mit zu einer kleinen Tiertour. Ein kurzer Pfiff von ihm und ein Adler erhob sich aus irgendeinem Baum am Strand. Der Jäger mustert uns kurz, der Guide wirft einen Hähnchenschenkel in die Luft, Sturzflug, Zugriff. Gekonnt in der Luft gefangen. Beeindruckend. Das ganze wurde noch ein paar mal wieder holt, und hat immer geklappt. So ein Adler kann schon was. Und da mittlerweile auch langsam die Ebbe einsetzte und sich das Wasser zurückzog, blieb in der Lagune nur noch knietiefes, sich erwärmendes Wasser zurück. Und wer gut aufgepasst hat, weiß was es da gibt. Richtig: Stachelrochen. Die Killer von Steve Irwin, dem Crocodile Hunter. Und was macht man da? Auch richtig: Sie suchen, natürlich . Auf die Frage “Don’t you play with our lives?” bekommt man die Antwort “No, your brains plays with your lives”. Ok, klingt logisch. Danach bekommen wir aber auch noch die Auskunft, dass die eigentlich nur stechen wenn man drauftritt, oder sie versucht zu fangen oder sonstwie zu berühren. Wenn man ein bisschen Abstand hält, sind sie ganz lieb. Naja, wie alle Tiere eigentlich. Außerdem seien die hier nur recht klein. Wahrscheinlich würde es nur sehr weh tun, aber mit dem Boot wäre man schnell genug im Krankenhaus. Na, das beruhig ja. Doch genug der panikmache. Wir sind jedenfalls mit 15 Mann durch die Lagune gestapft und haben tatsächlich ein gutes Dutzend Stachelrochen gesehen. Und da ich hier schreibe, lebe ich auch noch. Und die anderen auch. Schön wars. Diese Stingrays sind doch schon imposant anzuschauen, wenn sie so langsam durchs Wasser gleiten.
Nach diesem Erlebnis haben wir noch eine knappe Stunde am Traumstrand genossen, ich hab mir den standesgemäßen Sonnenbrand abgeholt und danach gings wieder mit highspeed zurück. Damit war eine wirklich traumhafte Tour am Ende. Ich denke von den vielen Eindrücken und Bilder werde ich noch eine Zeit lang was haben. Also wer mal in Australien and der Ostküste vorbeikommt: Auf nach Airlie Beach und die Whitsundays besuchen. Gogogo. Da gibt es keine Ausreden.
Die Busfahrt ging deutlich besser als gedacht. Der Bus war maximal halb voll, so dass jeder eine Zweierreihe für sich hatte. Das macht die Fahrt natürlich schon mal deutlich angenehmer. Zunächst schwante mir Böses, als direkt nach der Abfahrt der 1. Teil der Twilight Saga gezeigt wurde. Musikhören ging nicht, weil der Sound des Films so laut war, dass alles übertönt wurde. Schlafen ging aus demselben Grund nicht … außerdem war es ja noch nicht wirklich spät. Also musste ich wohl den Film schauen … *schauder* … UND DANN DAUERT ES AUCH NOCH SO LANGE, BISS EDWARD ENDLICH BELLA KÜSST! Unglaublich. Naja, im Bus schaut man ja alles, vor allem wenn es draußen in der Dunkelheit eh nix zu sehen gibt. Glücklicherweise blieben mit weitere Teile der Saga erspart und stattdessen wurde einfach Fernseher und Licht ausgeschaltet. Und entgegen meiner Erwartung, war da wohl auch ein Aus-Knopf für mich dabei. Denn ich bin fast umgehend eingeschlafen. Der Schlaf war zwar nicht tief und ich habe alle Stunde meine Position gewechselt, aber m Grund habe ich fast die komplette Fahrt gepennt. Alles richtig gemacht.
In Airlie Beach angekommen ging es gleich zum Checkin ins Hostel und auch kurz Facebook checken. Und wie der Zufall so will war auch grad Sebastian (den ich aus Singapur kenne) in Airlie Beach, ungefährt 50m entfernt in einem Inet-Cafe. Also hab ich mich gleich mal mit ihm getroffen, die Ereignisse der letzten 2 Wochen ausgetauscht und Tipps für Cairns abgeholt. Leider konnten wir am Abend nicht noch irgendwo was trinken gehen, weil er schon wieder auf dem Sprung zu einer 3-Tages-Segeltour war. Also haben wir uns 3 Stunden nach dem Wiedersehen wieder verabschiedet.
Am Abend habe ich ein bisschen Airlie Beach erkundet, war aber bald fertig, denn groß ist das Kaff wirklich nicht. Eine Hauptstraße einigen Kneipen, 4-5 Hostels und eine nette Marina. Ende. Aber trotzdem schön anzusehen. Den Abend ließ ich dann mit ein paar Bierchen am Strand ausklingen. Passt
Eigentlich wollte ich am 14. Tag schon mit dem Zug weiter nach Cairns fahren, und zwar mit dem “The Sunlander”. Dieser Zug fährt die knapp 1500km am Stück und ist scheinbar recht bekannt, weil er durch sehr schöne Landschaften fährt und dabei mehrere Klimazonen durchquert. Doch bei meiner Fraser Island Tour hat mit ein Belgier vom Schnorchel an den Whitsundays vorgeschwärmt. Da ich nach Fraser Island keine Lust hatte mich am Abend noch zu entscheiden was ich nun mache, hab ich kurzerhand meinen Aufenthalt hier im Hostel um einen Tag verlängert um in Ruhe planen und buchen zu können.
Ich hatte zwar schon was über die Whitsundays gelesen und wusste, dass die toll sein sollen, wollte sie aber eigentlich überspringen. Doch nach den überschwänglichen Erzählungen habe ich dann meinen Plan geändert und verzichte auf den Sunlander, fahre nicht direkt nach Cairns, sondern erstmal mit dem Bus nach Airlie Beach. Diese kleine Hafenstadt ist eine bekannte Backpackerstation und von dort starten die meisten Touren zu den Whitsundays. Nachdem ich also die Busfahrt und eine Unterkunft gebucht hatte, hab ich mich am Strand von Hervey Bay lang gemacht und Tag 14 sehr relaxt verbracht.
Der Bus nach Airlie Beach startet immer erst um 20:55 und fährt dann 12 Stunden die Nacht hindurch. So hatte ich Tag 15 eigentlich auch noch komplett in Hervey Bay. Da man jedoch morgens Auschecken muss und dann nicht mehr duschen kann und so, hab ich die meiste Zeit im Hostel verbracht und war nicht mehr groß am Strand schwimmen. Blog schreiben muss ja auch mal sein. Und da das Hostel absolut top ist (Flashpackers Hervey Bay … wer hier vorbeikommt, sollte das Hostel nehmen), machte mir das auch gar nix aus. Am Abend haben die Hostelbesitzer noch für die versammelte Mannschaft, bzw. wer für 8$ (ca. 6€) mitmachen wollte, Pizza bestellt. So standen dann 20 große Pizzen rum und man konnte sich frei bedienen. Auch hier wurde ich meinem Ruf gerecht und hab knapp 2,5 Pizzen verdrückt. Man will ja nichts verkommen lassen. Was kann ich auch dafür, wenn die Mädels alle nur eine halbe Pizza schaffen. Außerdem wartete noch eine lange Busfahrt auf mich .
Um 20:30 wurde ich dann mit einem Van zur Greyhound-Station gebracht. Die 2-3 Kilometer könnte man auch laufen, aber da die dort sowieso Leute einsammeln, die am Abend noch ankommen, nimmt man das natürlich gerne mit. Der Greyhound hatte leider etwas Verspätung, so dass die 12-Stunden-Tour erst gegen 22:00 losging. Ich war gespannt …
Nach ca. 5 Stunden Schlaf war die Nacht vorbei und bald wurde ich zur Tour abgeholt. Ab gings mit einem 8-Personen-Jeep zur Fähre nach Fraser Island. Wieso das unbedingt ein Jeep sein muss wird schnell klar: Fraser Island ist eine 120km lange Düne. Auf ihr wachsen zwar auch Urwälder, aber alles in purem feinen Sand. Somit gibt es dort auch keine befestigten Wege, sondern man düst immer über Sandpisten. Von der Anlegestelle geht es erstmal 10km quer über die Insel ans Ost- bzw. Pazifikufer. Dieser Weg ist ziemlich abteuerlich und ich hab mir nicht nur einmal den Kopf an der Decke des Jeeps angehauen. Auf der anderen Seite angekommen, wird es dann richtig lustig. Dort wartet nämlich der Fraser Island Highway auf uns. Heißt: Der breite Sandstrand. Und da der Sand dort, wo immer die Brandung aufschlägt, recht fest ist, kann man hier schön Gas geben. Und so brettern Dutzende von Jeeps mit um die 100 Sachen direkt am Wasser den Strand entlang. Das macht echt Laune. Falls ich nochmal herkomme, miete ich mir selbst einen Jeep. Man kann dort nämlich auch mit der eigenen Karre hinkommen
Außer der coolen Jeepfahrt gibts auf der Insel natürlich auch sehr nette Sachen anzuschauen. Wir waren bei Eli Creek (ein Süßwasserbach der idylisch zum Meer fließt … das Wasser ist übrigens glasklar und schmeckt auch gut … sieht auf den Bildern nur braun aus, weil man den sandigen Boden sieht), am Indian Head (ein Aussichtspunkt mit hohen Klippen .. der einzige Stein auf Fraser Island), an den Champagne Pools, bei der Maheno (ein Schiffswrack am Strand), an der Central Station (ehemalige Holzfällersiedlung im Regenwald) und am Lake McKenzie (Süßwassersee aus Regenwasser, deshalb total klar).
Bei der Tour waren wir insgesamt 12 Stunden unterwegs und erst bei Sonnenuntergang gegen 18 Uhr wieder zurück. Man kann das alles auch mit 2-Tages-Tour erledigen und eine Nacht in einem Resort auf der Insel verbringen. Das ist sicher auch nicht schlecht, aber mehr sieht man dabei auch nicht. Man muss nur nicht so früh aufstehen . Ich war mit dieser Tagestour super zufrieden, vor allem weil wir nur in einer kleinen Gruppe unterwegs waren und der Guide saucool war. Man hätte auch ne Bustour machen können, mit 4-achsigen Busmonstern, aber ich denke das wäre nicht so lustig gewesen. Vor allem sind die nicht so schnell unterwegs . Alles in allem sollte man sich aber Fraser Island auf jeden Fall mal anschauen, wenn man in der Gegend ist. Die Insel ist es wert, auch wenn der Spaß recht teuer ist. Unter 180$ gibt es keine Touren. Und auch wenn man mit dem eigenen Jeep rüberfährt wird es nicht billiger, weil die Überfahrt mit der Fähre pro Jeep schon 350$ kostet. Aber egal. Trotzdem machen.
Heute war Reisetag, ausschließlich Reisetag. Zum Einen, weil ich eine längere Strecke vor mir hatte, zum Anderen, weil ich doof bin.
Aber erst noch ein paar Worte zur Nacht: Die war ekelhaft. Das Hostel war eigentlich ganz in Ordnung, aber auch das beste Hostel kann nichts für den Gestank, wenn sich seine Gäste nicht waschen. Und ich hatte diesmal das Nichtduscherzimmer erwischt. Zuerst dachte ich, ich hätte nur einen Typen dieser Spezies erwischt (wie schon auf Facebook berichtet). Der war schon schlimm genug. Die Hände und Füße dreckig als wäre er grad vom Spargelstechen gekommen, dazu komplett verschwitzt und die Haare verklebt. Sein Bettlaken war auch mit schwarz-braunen Flecken übersäht, der schlief da wohl schon länger drin. Doch die anderen beiden waren nicht viel besser. Kandidat Nr. 2 hat den ganzen Tag lesend im Bett verbracht und nie das Zimmer verlassen. In einem Zimmer, in dem man die Fenster nicht öffnen kann, reicht das allein meist schon für eine nette Duftnote. Als er sein Bein aus dem Bett baumeln ließ, sah ich, dass auch er der Spargelstecherfraktion angehören muss. Ich weiß nicht mal, wie man seine Beine in einer Großstadt so vermatscht kommt. Nr. 3 hat das einzig Richtige in dieser Situation gemacht und sich schon schön früh weggesoffen. Womit zum Verwesungsgestank noch eine gepflegte Alkoholfahne hinzukam. Eine explosive Mischung … ein Streichholz hätte ich darin nicht gezündet. Meine einzige Idee war mir auch schnell einen Sixer reinzuhauen. Leicht angetrunken und mit der nötigen Bettschwere durch die Lauferei, konnte ich doch ein bisschen Schlaf finden und bin dann morgens früh aus dem Höllenpfuhl entschwunden. Grausam.
So, genug ekelhafte Dinge erzählt. Kommen wir nun zu den dummen Dingen. Geplant hatte ich den Bus um 12:00 von Brisbane nach Hervey Bay zu nehmen. Fahrzeit etwas mehr als 5 Stunden. Vorher war ich noch gemütlich frühstücken, nochmal kurz ein bisschen durchs Bankenviertel schlendern und dann schon so um 11:00 an der Greyhound Station. Also genug Zeit.
Ich hatte ein Ticket für die Linie #403 gebucht und so gegen 11:30 fuhr auch ein Bus ein. Der hatte jedoch die Nummer #406 anstehen. Scharfsinnig dachte ich mir, dass das eine andere Linie sein muss. Klare Sache, mein Bus ist noch nicht da. Nur Weicheier stellen sich am Schalter an und Fragen nach. Der hier fuhr zwar auch in meine Richtung, aber war halt ne andere Nummer. Und da der Bus ziemlich voll war, hab ich mich gefreut, dass ich da nicht mit rein musste. Um 11:55 war immer noch kein Bus mit der #403 da … hat wohl Verspätung. Punkt 12:00 fährt der andere Bus ab: Ich werde etwas unruhig. Als dann bis 12:30 zwar einige Busse ankommen, aber alle mit 500er-Nummern, habe ich einen doofen Verdacht und werde Weichei: Ich stelle mich am Schalter an.
Bald werde ich darüber aufgeklärt, dass die Nummern, die am Bus stehen, einfach nur den Bus kennzeichnen, nicht aber die Route die er fährt. Denn VIELE Busse fahren dieselbe Linie fahren. Macht auch Sinn wenn die Fahrt der Linie #403 von Brisdane nach Cairns > 30 Stunden dauert. Wär schon doof mit nur einem Bus. Gut, wenn man dazu noch Sparfuchs ist sich ein Ticket mit Busbindung besorgt hat, das man eigentlich nicht für einen späteren Bus nutzen darf. Doch auch hier hatte ich wieder Glück oder der Shreks-Gestiefelter-Kater-Blick hat geholfen: Ich durfte mit dem Ticket auch einen späteren Bus benutzen, weil da eh nicht viel los war. Puh. Nächster Versuch um 15:00.
Diesmal hab ich mich informiert welcher Bus meiner ist und los ging die wilde Fahrt. Leider gab es hier auch mehr Stops, womit die Fahrt 6 statt 5 Stunden dauerte. Wenigstens war einer der Stops am Australia Zoo von Steve Irwin, so dass ich dort wenigstens noch ein kleines Foto vom Schild machen konnte. Besser als nix. Für einen Besuch war leider keine Zeit. Um 21:00 war ich dann endlich am Ziel. Ich hatte mich schon auf einen 4km-Marsch zum Hostel eingestellt, aber netterweise wurde ich von denen abgeholt. Ich hatte vorher Bescheid gegeben, dass ich später ankomme, weil manche Hostels nur bis 20:00 Checkin machen. Sehr nett. Kurz nach der Ankunft gings ins Bett, weil ich am nächsten Morgen schon wieder um 6:00 für eine Tour zu Fraser Island abholt werden würde. Was ein Stress … ich hab doch Urlaub
Heute musste ich relativ früh raus um meinen Greyhound nach Brisbane zu bekommen. Yay, Greyhound … wer mit einem Rucksack durch Australien eiert muss ja auch mal Greyhound fahren. Ab jetzt bin ich ein richtiger Backpacker . Da ich noch nie Greyhound gefahren bin und auch nicht genau wusste, wo die Station ist, hab ich ziemlich viel Zeitpuffer eingebaut, was dazu geführt hat, dass ich 45 Minuten zu früh da war. Mein Glück: Es war gerade ein anderer Greyhound angekommen, der auch nach Brisbane fuhr. Das nette Mädel am Checkin hat kurz mit dem Fahrer gesprochen und schon durfte ich auch in diesem Bus mitfahren (was nicht selbstverständlich war, weil ich eigentlich ein Billigticket mit Busbindung hatte). So blieb mir Warterei erspart und mehr Zeit für Brisbane. Dort bleibe ich nämlich nur für eine Nacht. Praktisch hatte ich da heute den ganzen Tag, weil Brisbane nur ca. 80 Milen von Gold Coast entfernt ist und ich schon um kurz nach 10 dort im Hostel aufgeschlagen bin. Perfekt.
Kurz Sachen abstellen und los ging der Stadtrundgang. Brisbane hat 1,8 Mio Einwohner, wäre also in Deutschland die drittgrößte Stadt, und ist es in Australien auch. Aber bisher wusste ich über sie gar nix … und ich muss zugeben, das hat sich nicht wirklich geändert.
Brisbane liegt direkt an einem Fluß und reicht bis ans Meer. Das Zentrum, wo auch mein Hostel ist, ist jedoch einige Kilometer davon entfernt. Insofern bin ich da gar nicht hingekommen. 1988 gab es hier eine Expo und das Gelände liegt direkt gegenüber der City am anderen Flussufer. Dort bin ich ein bisschen durchgeschländert: Von der Expo ist einer Park und ein künstlicher Sandstrand am Fluss geblieben. Echt ganz nett zum Ausspannen. Die Innenstadt selbst ist wie meistens: Viele Geschäfte, viele Hochhäuser, viel Betrieb. Zwischendurch stehen hier aber immer mal ein paar alte Gebäude aus der Kolonialzeit, was das ganze etwas auflockert.
Mein Brisbanehighlight war der Kangaroo Point, der an das Expo-Geländer anschließt. Dabei handelt es sich um ein Plateau, das einige Meter vom Flußufer entfernt um 20-30m senkrecht aufsteigt und somit quasi Klippen direkt am Flussufer bildet. An diesen Klippen sind viele Haken und sogar dauerhaft Seile (Topropes) befestigt, so dass sich dort Dutzende von Kletterern tummeln. Die Klippen sind auch unterschiedlich steil und ausgesetzt, so dass für ziemlich jeden was passendes zum Kraxeln dabei sein sollte. Noch dazu gibt es sowohl oben auf dem Plateau, als auch untem am Flussufer die beliebten öffentlichen Gasgrillplätze, so dass sich dort Klettern und geselliges Beisammensein optimal kombinieren lassen. Dazu der Blick auf die Skyline am anderen Flussufer. Was will man mehr.
Ansonsten konnte ich in Brisbane meinen Starbuckstassenvorrat weiter aufstocken (Singapur, Sydney, Gold Coast und Brisbane). So langsam muss ich mir mal Gedanken machen, ob ich nicht noch ein Päkchen nach Hause schicke. Die Dinger werden so langsam schwer.
Am 8. Tag stand dann die Reise zur Gold Coast an. Ich hatte die Wahl zwischen 13 Stunden Busfahrt oder 1:20 Stunden Flug. Der Flug war 30$ günstiger. Schwere Entscheidung … . Da der Flug erst um 14:45 abging, hatte ich am Morgen nochmal Zeit gemütlich mit meinem Groundhopper-Kumpel (seinen Namen hab ich entweder nach dem 10. Bier vergessen, oder nie erfragt) zum Fishmarket zu fahren. Dort gabs diesmal eine gemischte Tüte mit fritierten Meeresfrüchten. Auch gut, aber nicht so toll wie der rohe Fisch 2 Tage zuvor.
Noch die letzten Eindrücke von Sydney genossen und dann zum Flughafen. Der Flug mit dem Billigflieger ging problemlos von statten und um ca. 15:00 war ich an der Gold Coast. Wieso 15:00? Weil es zwischen Gold Coast und Sydney wieder eine Stunde Zeitunterschied hat, obwohl man nur nach Norden fliegt. Der Grund ist, dass New South Wales (der Staat in dem Sydney liegt) eine Sommerzeit eingeführt, Queensland jedoch nicht. Der Reisebus vom Flughafen zur City Surfers Paradies hatte außer mir nur noch 2 Mitfahrer. Deshalb hat uns der nette Busfahrer direkt vor unseren Hotels/Hostels abgesetzt. Sehr nett.
In den 3 Tagen habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel gemacht. Die Ecke hier ist halt ein reines Touristengebiet. Da kann man sich halt an den Strand legen oder sich abends mit Horden von Engländerinnen in zu knappen Röcken in überteuerten Clubs betrinken. Oder einen Freizeitpark besuchen: Sea World, Dream World, Movie World … alles am Start. Ich habe mich einfach für den Strand entschieden. Nach 6 Tagen Dauerrumgelaufe fand ich das auch mal ganz nett. So kam ich endlich mal wieder dazu zwei Bücher zu lesen. Und Blog zu schreiben. Und nachzudenken. Und abends am Strand gemütlich ein paar Bierchen zu trinken. Darüber lässt sich zwar nicht viel schreiben, aber ich fand es sehr relaxt. Und den obligatorischen Sonnenbrand hab ich endlich auch (aber nur ein bisschen). Wurde ja auch Zeit.
Das einzig Erwähnenswerte passierte dann vor knapp 2 Stunden. Bisher waren alle Australier immer sehr nett und richtig kumpelhaft. Man wird von allen mit “Mate” oder “Buddy” angesprochen, und die Leute entschuldigen sich auch, wenn ich sie über den Haufen renne. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. So ist mir gerade auf der Straße erst ein leicht im Gesicht blutender Asiate begegnet, der schnellen Schrittes an mir vorbeilief. Und kurze Zeit spät sprach mich ein Australier mit der Statur eines Rugbyspielers der vordersten Front an und macht sich über den blutenden Asiaten lustig. Somit war klar, wer für das Blut verantwortlich war. Es dauert nicht lange, bis er merkte, dass er in mir keinen Einheimischen vor sich hatte. Gleich durfte ich mir anhören, dass er alle Ausländer hasst. Vor allem die, die nach Australien kommen um den Australiern ihre Kultur aufzudrängen. Und am aller schlimmsten wären die, die noch nicht mal Englisch können. Er fragte mich woher ich käme und wie ich Australien fände und ob ich denken würde, meine Kultur wäre besser. Die Tatsache, dass ich mich auf englisch mit ihm unterhalten konnte, nur das Beste über Australien zu sagen hatte und dass ich zugegeben habe, dass “Wir” (und auch natürlich auch Ich persönlich) 1945 von Australien vernichtend geschlagen wurden, hat ihn besänftigt. So blieb mir das Schicksal des Asiaten erspart und ich konnte dann irgendwann ungeschoren in Richtung Hostel abbiegen.
Zeit für ein kleines Sydney-Fazit (auch wenn ich mir sowas für Singapur gespart habe). Am ersten Tag war ich von Sydney etwas enttäuscht. Ich war da zunächst nur in der Innenstadt, und habe Vergleiche mit New York, London, oder ähnlich großen Städten angestellt. Wenn man eine riesige Metropole erwartet, dann kann Sydney nicht so wirklich mithalten, denn es ist nicht so hektisch und overcrowded. Das Feeling ist ein anderes.
Erst am 2. und 3. Tage habe ich Sydney dann schätzen gelernt. Die Stadt ist ziemlich weitläuft. Überall sind kleine Buchten, überall ist es grün. Einfach sehr schön. Sydney ist wie eine riesige Kleinstadt mit vielen schönen Ecken. Es ist alles ein bisschen “ländlicher”, nicht so hektisch wie z.B. New York. Dazu kommt, dass ich die Mentalität hier sehr nett finde. Ich denke die haben hier die richtige Mischung aus USA und Europa. Alles mit ein bisschen weniger Show als in den USA, aber auch nicht so steif wie manchmal in Europa. I like. Zum wirklichen Sightseen braucht man hier nicht länger als 2-3 Tage zu bleiben, denn die bekannten Sehenswürdigkeiten habe ich abgegrast. Aber ich denke zum Leben ist hier ganz nett.
Außerdem wird man hier wohl auf einer Skala von 1 – 10 sofort um 2 Punkte schöner. Es gibt hier kaum hässliche Menschen. Vor allem nicht am Strand. Könnte aber auch daran liegen, dass die hier alle Joggen wie die bekloppten.
Und wer zu faul sich die anderen 4 nachgelieferten Beiträge zu Sydney durchzulesen, kann sich auch einfach hier eine kleine Bilderauswahl anschauen: Bilder
Heute war Strandtag. Irgendwo müssen ja die Surfer sein. Und es war nicht schwer sie zu finden. Der bekannteste Strand Sydneys ist Bondi Beach. Dieser Strand ist ganz einfach mit Bus und Bahn zu erreichen. Von der City braucht man 20-30 Minuten und schon ist man da. Und wie zu erwarten war: Surfer überall. Der Strand scheint sich aber auch 100%ig dafür zu eignen, denn obwohl kaum Wind war, kamen schön große und breite Wellen rein. Auch als Nichtsurfer konnte man die idealen Bedingungen erahnen.
Und weil es hier so schön war, habe ich mir danach gleich noch den nächsten Surfspot angeschaut. Und zwar ging es vom Hafen aus mit der Fähre nach “Manly”, so heißt ein kleiner Vorort Sydneys an der Pazifikküste. Zuerst dachte ich die “Manly Ferry” sei irgendwas Gefährliches … ist es nicht . Von der Fähre aus kann man super Bilder von der City und der Oper machen. Allein dafür lohnt es sich schon eine Fahrt zu buchen. In Manly angekommen läuft man erst eine hübsche Shopping-Meile entlang und kommt dann auch wieder an Surfstrände an der Pazifikküste. Hier waren nicht wirklich viele Surfer im Wasser, aber die Surfschulen vor Ort zeigen, dass hier manchmal auch mehr Betrieb ist. Schön war es allemal.
Zurück in Sydney habe ich mir noch die Botanic Gardens von Sydney angeschaut. Die schließen direkt an den Hafen von Sydney an, aber bisher war ich nicht drin, weil man die immer schon um 18:30 verlassen haben muss. Auch wenn ich jetzt nicht sooo der Pflanzenflüsterer bin, war der Garten trotzdem sehr nett anzuschauen. Vor allem weil es von hier auch wieder sehr schöne Blicke auf das Meer, die Brücke, die City und die Oper gibt.
Ein freier Abend und ein Sixpack Bier. Dabei lässt sich doch schön der Sydneybesuch aufarbeiten … Schön wärs. Plötzlich befand ich mich in einer Gruppe aus Kanadiern, Engländern und Franzosen die mich zu lustigen Trinkspielen aufgefordert haben. Und schließlich kam noch ein deutscher Groundhopper dazu, der mir dann den Rest des Abends seine Fussballerlebnisse in so ziemlich allen Ländern dieser Erde erzählt hatte. Da das ein bisschen dauert, mussten wir auch nochmal für Nachschub aus dem Liquor Store sorgen. Wars also doch nix mit dem ruhigen Abend.
Aber wie ihr seht hab ich es doch noch irgendwann geschafft